LOTHAR GORRIS
SPEX, SPIEGEL & DIE MUSIK DAZWISCHEN

Das Interview zum Hören
Lothar Gorris
Ein glücklicher Zufallsfund in einem PDF des Spex-Magazins von 1987 war der Auslöser für eine Zeitreise, die uns direkt in das Epizentrum eines kulturellen Bebens führt. Es handelt sich um einen Text über die Kraft des Hip-Hops, verfasst von einem Mann, der schlicht früher als andere das Potenzial in den damals noch rohen Beats und dem kompromisslosen Sampling erkannte, während der Rest der Musikwelt sich noch vornehmlich an der aufkeimenden Alternative-Rock-Welle abarbeitete. Amal spricht mit Lothar Gorris über jene Ära der ästhetischen Grenzüberschreitung, in der er mit einer Mischung aus Neugier und journalistischem Instinkt die Codes einer neuen Zeit entschlüsselte und verstand, dass der Sound der Straße die Popkultur nachhaltig verändern würde.
Die Beastie Boys hab ich in der Wohnung von Mike D in Greenwich Village getroffen, die einfach superlustige, großartige jewish Bros aus dem Village waren.
Lothar Gorris
Es ist die Geschichte eines Privilegs, das heute fast schon mythisch anmutet, wenn man hört, wie Gorris in Limousinen durch Manhattan cruiste, mit den Beastie Boys in Greenwich Village abhing und einem jungen Rick Rubin dabei zusah, wie er bei Def Jam gerade die erste Spur für eine globale Revolution aufnahm. Er nimmt uns mit in jene Zeit, in der Musik noch ein exklusives Gut war, das man sich über Import-Magazine und eine besondere Obsession erschließen musste. Er beschreibt eine Welt, in der die Atmosphäre bei Auftritten von Public Enemy vor sozialer Energie und politischer Dringlichkeit fast zu bersten schien und der Journalismus noch ein Labor war, um die radikale Schönheit des Neuen zu entdecken, lange bevor AI-generierte Playlists oder überhaupt das Internet die Entdeckung viel einfacher machten.

LOTHAR GORRIS
Redakteur, Autor, Zeitzeuge
Von den Kölner Redaktionsstuben der Spex, wo er Pop als gesellschaftliche Analyse mitgestaltete, führte sein Weg über Zeit und Stern zum Spiegel, wo er über Jahrzehnte hinweg die großen existenziellen Fragen unserer Zeit sezierte. Ob er die zerbrechlichen Biografien moderner Pop-Ikonen analysiert, die moralischen Dilemmata einer drohenden Zeitenwende hinterfragt oder die demokratischen Erschütterungen unserer Gegenwart und die Sprache der Macht in großen politischen Porträts beleuchtet, Gorris ist ein präziser Beobachter gesellschaftlicher Umbrüche. Sein Werk spannt den Bogen von der ungestümen Energie der Subkultur bis hin zum kritischen Dialog mit den intellektuellen Vordenkern unserer Gesellschaft und beweist, dass die Relevanz eines Augenblicks nur erkennt, wer gelernt hat, die Zwischentöne der Welt zu lesen.
Wenn ich heute Musik höre, würde ich immer sagen, dass das gemeinsame musizieren auf einer Bühne live eine unfassbar große Kraft und Schönheit hat, die eigentlich nicht zu ersetzen ist.
Lothar Gorris
DIE SPEX-JAHRE

Ausgabe #1 – Der Anfang
[1980]

SPEX 1983
[1983]

SPEX 1986
[1986]

Beastie Boys – Die Bros aus dem Village
[1987]

SPEX 1988
[1988]

A Tribe Called Quest
[1991]

Mike Patton Era
[1990er]
Wir sind da mit der Limo durch Manhattan gefahren und haben Rick Rubin getroffen und das war einfach total geil!
Lothar Gorris

